Das Müller´sche Volksbad

Das an der Isar zwischen Rosenheimer Platz und Isartor gelegene Müller´sche Volksbad wurde 1896 - 1901 erbaut. Es war die erste ganzjährig betriebene Badeanstalt Münchens. Seinen Namen erhielt es in Erinnerung an Karl Müller, einen Vertreter der sozialreformerischen Badebewegung, der durch eine großzügige Schenkung den Bau ermöglichte.

Der Architekt, Carl Hocheder, ließ sich bei der Gestaltung von vielfältigsten Vorbildern inspirieren: römische Thermenanlagen wie barocke Sakralbauten, Hammams und Moscheen, all das zusammengehalten von zeitgenössischen Jugendstilelementen.

Anders als im Fall der Nymphenburger Badenburg, die nach den Türkenkriegen in ihrer Funktion bewusst am türkischen Hammam anknüpfte (ohne sich auf eine entsprechende Formensprache einzulassen), bedient sich der Architekt hier also ganz unterschiedlicher Traditionen und Architekturstile. So gibt es nicht nur ein „römisch-irisches Schwitzbad“, sondern eben auch ein „türkisches Bad“ als besonderes Angebot neben den Schwimmhallen. Und die formalen Anleihen der Architektur bei islamisch-byzantinischen Vorbildern mit kleinteilig durchfensterten Kuppelräumen (z. B. Hagia Sophia, Istanbul) prägen einen Typus aus, der seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert bis heute die europäischen Vorstellungen eines Hammams prägen. Funktional decken sich die damals aufkommenden Volksbäder mit den orientalischen Vorgängern als Institutionen, die oft von privaten Stiftern finanziert, sich an breite Kreise auch der einfachen Bevölkerung richten, und die teilweise schon modernen Vorstellungen von Recreation und "Wellness" vorgreifen.

Lena Schauberger