Die heute wohl bekannteste Künstlerreise des 20. Jahrhunderts, zumindest im deutschsprachigen Raum, ist die „Tunisreise“ der drei Maler Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet.
Während der Reise führte Paul Klee Tagebuch, in dem er seine Eindrücke festhielt. In seinen Niederschriften kann man deutlich erkennen, wie sehr ihn die malerische Landschaft und die maurische Architektur faszinierten. Deshalb ist es eigentlich rätselhaft, warum Klee - nach nur knapp zwei Wochen - vorzeitig abreiste. In seinem Atelier in München verarbeitete er dann die in Tunesien gewonnenen Eindrücke. Das Ziel einer lang ersehnten Einheit „Kunst – Natur – Ich“ sowie des „Einklangs innen – außen“ wurde, will man dem Tagebuch glauben, für Klee in Tunis greifbar.
An diese „Orienterfahrung“ knüpfte er später immer wieder an. Mit der Reise nach Tunesien setzte eine lebenslang andauernde Auseinandersetzung mit dem Orient ein. Denn schon während seines Aufenthalts war die Anziehung des Landes auf Klee so fühlbar, dass er sich die Frage stellte „ist das Heimat“?
Auf seiner Reise faszinierte ihn vor allem die geometrisch-kubische Struktur der maurischen Bau- und Stadtkörper im Kontrast zu Natur und Mensch. Dabei blieb er in der Farbgebung und Bildkomposition oft noch sehr naturalistisch. Beispielhaft für ein Werk dieser Art ist die „Ansicht von St. Germain“ (1914).
Nach seiner Rückkehr änderte sich seine Bildauffassung stark. Dabei kann man nicht beurteilen, wodurch er sich auf seinem Weg, eine neue Bildsprache zu finden, tatsächlich beeinflussen ließ: Waren es die tunesischen Landschaften? Oder war es die südländische Architektur, das warme Licht, die „farbige Klarheit am Lande?“ Oder war es das islamische Ornament? So transformierte er die Eindrücke aus der Kulturlandschaft in weitgehend abstrakte Kunstwerke in einer ähnlichen Weise, wie dies ein Ornamentgestalter für einen Teppich oder Fliesen tut. Dies wird in dem Bild „Portal einer Moschee“ aus dem Jahre 1931 anschaulich, das an einen Orientteppich erinnert. Gleichzeitig tauchen die geometrischen Formen, die er auch schon während der Reise malerisch verarbeitete, als wesentlicher Bestandteil in anderen Werken immer wieder auf.
Seit dem Jahr 1906 hatte Klee in München in der Ainmillerstrasse 32 im Stadtteil Schwabing gewohnt, 1919 zog er in die Werneckstrasse, wo er bis1921 lebte.
Lisa Frey, Kristina Haupt



