„Der Ost sah Gott und hat die Welt vergessen;
Der West vergaß Gott und hat die Welt ermessen.“
(Muhammad Iqbal, „Botschaft des Ostens“, 1924)
Diese Zeilen bringen den Kontrast von einem am Geistigen orientierten Osten und einem dem Materiellen und Rationalen verhafteten Westen zum Ausdruck, wie ihn Iqbal offensichtlich erlebt hatte. Muhammad Iqbal wurde 1877 in Sialkot, in der heutigen pakistanische Provinz Punjab, damals Indien, geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und Philosophie unter anderem in Cambridge, Heidelberg und München, wo er 1907 promovierte. Darüber hinaus war er Dichter (seine Werke sind in Urdu und Englisch verfasst) und Politiker. Erstmals auf der Jahresversammlung der All-India-Muslim-League im Jahr 1930 äußerte er die Idee eines muslimischen Staates auf dem Gebiet Britisch-Indiens. Die Gründung des Staates Pakistan 1947 hat er nicht mehr miterlebt, er ist 1938 verstorben.
Ihm zu Ehren steht in München am Habsburger Platz ein Gedenkstein, der 1968, 30 Jahre nach seinem Tod, von dem damaligen pakistanischen Botschafter Abdul Rahman Khan und dem damaligen bayerischen Kultusminister Ludwig Huber feierlich enthüllt wurde. Der Stein wurde von dem Münchner Bildhauer Karl Oppenrieder geschaffen.
Der aus Kalkstein gehauene Gedenkstein zeigt auf der Vorderseite einen stilisierten Baum als dominantes Bildelement, dem als Lebensbaum im Islam eine hohe Bedeutung zukommt. Die Rückseite zeigt die Mondsichel als Symbol des Islam, welche - auf grünem Grund - auch die Nationalflagge der islamischen Republik Pakistan darstellt.
Florian Staffler
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