Schloss Nymphenburg wurde 1664 vom Kurfürsten Ferdinand Maria als Geschenk an seine Frau Adelheid von Savoyen nach Plänen Agostino Barellis in Auftrag gegeben. 1679 trat Max Emanuel die Regierung an. Als die Türken 1683 Wien belagerten, kam dieser dem Kaiser militärisch zu Hilfe. Nachdem ihm fünf Jahre später dann auch die Erstürmung des osmanischen Belgrads gelang, wurde er als Türkenbezwinger in ganz Europa bekannt. Während der Regierungszeit Max Emanuels (1679 - 1726) erhielt Schloss Nymphenburg seine endgültige Form und Größe.
Kulturkontakte in der Biografie Max Emanuels
- Österreichische Bau- und Gartenkunst: Auch infolge der Abwendung der „Türkengefahr“ kam es zu einem Bauboom, während dem sich zahlreiche Fürsten außerhalb der Stadtmauern ein Sommerschloss errichten ließen.
- Türkenkriege (bis 1699): Max Emanuel konnte während seiner Feldzüge aus eigener Anschauung provinzial-türkische Baukunst kennenlernen.
- Statthalterschaft Max Emanuels in den Spanischen Niederlanden (das heutige Belgien; 1692-1706): Hier ist die Nachbarschaft zu den nördlichen Niederlanden, der ersten Handelsmacht hervorzuheben. Sie waren der größte Umschlagplatz für Exotika jeder Art.
- Exil am Hof Ludwigs XIV(1704-1715): Max Emanuel lernte dessen Schloss- und Gartenarchitektur persönlich kennen. Sie war als Ausdruck absolutistischer Macht, das Vorbild in Europa.
Möglichkeiten zur Rezeption orientalischer Kunst und des Kulturtransfers
- Handelsbeziehungen -> Kultur- und Luxusgüter des Orients gelangten schon lange nach Europa. Die merkantilen Interessen können, müssen aber nicht mit künstlerischen zusammenfallen.
- Reisen von Künstlern in ein orientalisches Reich -> Francois Blondel, Leiter der Académie française d`architecture, unternahm z. B. eine solche Reise In seinen Berichten über die Reise finden sich jedoch keine Hinweise auf die Baukunst.
- Feldzüge von Bauherrn oder Auftraggebern in ein fremdes Land -> Diese sind besonders für München von großer Bedeutung, da Max Emanuel in der Zeit der Türkenfeldzüge die osmanisch geprägte Baukunst auf dem Balkan kennen lernte.
- Reiseberichte über den Orient -> Sie sind die bedeutendste Grundlage, da die Reiseliteratur durch ihr Erscheinen in Buchform, oft übersetzt in mehrere Sprachen, es erst ermöglichte, eine Breitenwirkung in der Vermittlung von Kenntnissen über den Orient zu erzielen.
Bäder im Islam
Der islamische Kulturbereich hat die Errungenschaften der römischen Thermenanlagen, zunächst ausgelöst durch religiöse Reinheitsvorschriften, wieder aufgegriffen und als festen Bestandteil in sein kulturelles Leben aufgenommen. Die Raumfolge des römischen Bades (Entkleidungszimmer, Warmraum, Heißbad) blieb in den islamisch geprägten Kulturräumen erhalten, wurde jedoch anders gewichtet. Das Heißbad ist in zwei Typen unterteilt, das Thermalbad und das Hamam (Dampfbad). Ein Kuppelgewölbe überdacht meist das Heißbad. Durch kleine Glasaugen wird der Raum spärlich erhellt.
Europäische Bäder unter islamischen Einfluss
Fontainebleau:Die erste bedeutende Badeanlage Frankreichs ließ Franz I. 1532 im Erdgeschoss von Schloss Fontainebleau errichten. Das Badeappartement bestand aus sechs Räumen. Stuck, Malereien und Gemälde machten es zu einem luxuriösen Ort. Die Vermutung das Bad sei aufgrund des engen politischen Kontakts Franz I mit Süleiman dem Prächtigen, unter türkischem Einfluss entstanden, scheint trotz der Ausstattung im Stile der Renaissance folgerichtig. Sein großes Interesse an Kuriositäten und seine Weltoffenheit machen es wahrscheinlich, dass für den bedeutenden Stellenwert, den seine Badeanlage einnimmt, islamische Vorbilder Ausschlag gebend waren.
Versailles: Ludwig XIV ließ 1672-1680 ein aufs prächtigste ausgestattetes Badeappartement bauen. Hinweis auf islamischen Einfluss gibt hier das Oktogonalbecken mit den umlaufenden Sitzstufen. Dieser Typus ist in den türkischen Bädern für das Caldarium am häufigsten vertreten. Im Anschluss an diesen Raum gibt es im islamischen Bad weitere kleine Becken. Auch in Versailles gibt es zwei weitere. Die reiche Mamorinkrustation der Fußböden, welche in Versailles im Boden des Badekabinetts und des Badezimmers zu finden sind, wird in den Reiseberichten über den Orient immer wieder hervorgehoben. Die übrigen Räume des Versailler Badeappartements erinnern eher an römische Vorbilder.
Die Lazienki in Warschau: Die Lazienki entstanden 1690-1700 unter Prinz Lumbomirski. Der Badesaal kommt dem Caldarium des islamischen Bades sehr nahe. Es steht ihm sogar näher als Versailles, da er die für den Islam so typische Kuppelwölbung hat. Auch eine Fontäne als Element der Rauminnenausstattung ist wohl uneuropäisch, dafür wird sie immer wieder in Reiseberichten erwähnt. Auf türkischen Einfluss verweist zudem das Satteldeckenmotiv, das sich unter der Laterne auf dem Dach abzeichnet. Dieses Motiv taucht immer wieder in Verbindung mit europäischen Souveränen auf, die am Türkenkrieg beteiligt waren.
Die Badenburg
Sie wurde von Joseph Effner errichtet (1718-1722) und bildet den Gegenpart zur Pagodenburg im südlichen Teil des Schlossgartens. Den Namen erhielt dieses Parkschlösschen nach dem darin befindlichen Badesaal und der Badeanlage im Kellergeschoss. Der Außenbau der Badenburg verrät keine Orientrezeption, er schließt vielmehr an Frankreichs „maison de plaisance“ an.
Bei Raumfolge und Innenausstattung fallen dagegen im Badesaal die holländischen, blau-weißen Kacheln und die Stuckmarmorplatten auf. Sie sind zum einen Elemente der französischen Mode der „appartement des bains“, zum anderen war Fliesenschmuck in Verbindung mit dem Bad traditionell im islamischen Bad üblich. Auch der durch die Raumfolge bestimmte Baderitus ist nicht im europäischen Raum beheimatet.
Ende des 18. Jahrhunderts existierten fast keine Badestuben mehr in Europa. Daher ist die Errichtung eines eigenen Badeschlößchens zumindest erstaunlich. Der bedeutenste Unterschied zu den französischen Vorbildern ist, dass es sich um ein einzeln stehendes Badehaus handelt. Die Verbindung von Badhaus und Schloss, Villa oder Palast hat seine Wurzel in der römischen Antike, die – wie viele andere antike Traditionen- in der islamischen Kultur weiterlebte.
Linda Biell, Lena Landthaler



